Ambitionierte Ziele: Florian Vock will die 42-Stunden-Woche abschaffen

Artikel in der Schweiz am Wochenende (online)

Der abgewählte Grossrat Florian Vock wurde am Donnerstagabend neuer Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes. Als erste Amtshandlung hat er angekündigt, die drohende Steuererhöhung im Kanton Aargau zu bekämpfen. 

Der Generationenwechsel beim Aargauischen Gewerkschaftsbund (AGB) ist vollzogen. SP-Grossrat Kurt Emmenegger (61) macht nach acht Jahren für seinen Parteikollegen Florian Vock Platz. Der 27-Jährige wurde an der AGB-Delegiertenversammlung am Donnerstagabend in Aarau einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Es ist nicht die erste geglückte Wahl für Vock, der als Präsident der Juso Aargau und SP-Grossrat Bekanntheit erlang. Doch seine politische Karriere hat auch schon einige Kratzer erlitten.

Da ist beispielsweise sein Rauswurf aus der Geschäftsleitung der Juso Schweiz im Jahr 2014 zu nennen. Der Entscheid wurde damals mit einer neu eingeführten Frauenquote begründet. Weitaus gravierender für Florian Vock war jedoch die Abwahl aus dem Aargauer Grossrat bei den letztjährigen Gesamterneuerungswahlen. Die Niederlage wirft Fragen auf, weil die SP als grosse Siegerin aus den Grossratswahlen 2016 hervorging und in Vocks Heimatbezirk Baden sogar einen Sitz dazugewinnen konnte. «Ich könnte nur mutmassen, woran es gelegen hat», sagt er heute.

Dass der AGB-Präsident weder in einem nationalen noch in einem kantonalen Parlament ist, gab es seit den 80er-Jahren nicht mehr. Verliert der Aargauische Gewerkschaftsbund so nicht an politischem Einfluss? «Nein, wir haben viele aktive Gewerkschafter im Grossen Rat und bleiben gut vernetzt», ist Vock überzeugt.

Gegen die 42-Stunden-Woche

Ein enger Draht zum Parlament ist für den Gewerkschaftsbund wichtig, damit seine Anliegen auf die Agenda des Grossen Rats kommen. Und von denen gibt es viele. Vock strich bei seiner Antrittsrede drei heraus: Lohndumping, steigende Gesundheitskosten und die Arbeitszeiten. Konkret geht es ihm darum, dass Arbeit in der Schweiz ausschliesslich mit Schweizerfranken entlöhnt wird, die Kantonsspitäler nicht in private Hände fallen und die 42-Stunden-Woche bald der Vergangenheit angehört.

Warum Letzteres so wichtig ist, erklärte er mit einem Beispiel: «Ein guter Freund von mir arbeitet bei einer internationalen Modekette als Verkäufer. Er erfährt jeweils erst am Mittwoch, ob er am Samstag arbeiten muss. Und zwar bis 21.30 Uhr. Das ist jede Woche so und stellt unsere Freundschaft auf die Probe.»

Auch auf die schlechte Finanzlage des Kantons und die drohende Steuererhöhung ging Florian Vock bei seiner Rede ein. Es könne nicht sein, dass die Einkommen der Arbeitnehmer noch stärker besteuert würden. Die Regierung müsse die «unsäglichen Gewinnsteuersenkungen für die Unternehmen» wieder rückgängig machen. Er sagte ausserdem, dass der Mittelstand heute schlechter dastehe als noch vor zehn Jahren. Mit den ausufernden Krankenkassenprämien und den steigenden Mieten bleibe der Bevölkerung letztlich weniger im Portemonnaie als noch 2007.

Vock hört nicht auf Urs Hofmann

Der ehemalige AGB-Präsident und heutige SP-Regierungsrat Urs Hofmann gratulierte Florian Vock zu seiner Wahl. In seiner Ansprache mahnte er die Delegierten vor Schuldzuweisungen gegen politische Gegner. Man müsse sich zusammenraufen, statt mit dem Finger aufeinander zu zeigen. Die vorgeschlagene Steuererhöhung verteidigte Hofmann. Er mahnte die Delegierten und den neuen Präsidenten, sich gut zu überlegen, wie man sich positionieren wolle. «Schaut, dass ihr eine positive Rolle spielt. Der Kanton Aargau braucht diese Mehreinnahmen», sagte er.

Doch der Aargauische Gewerkschaftsbund wird die Steuererhöhung um 5 Prozent nicht unterstützen, wie Vock nach der Versammlung im Gespräch bekannt gibt. «Aus Urs Hofmann hat die Aargauer Regierung gesprochen. Ich kann doch keine Massnahme unterstützen, die Arbeitende noch mehr belastet.» Auch die Abbau-Massnahmen bei der Bildung will Vock konsequent bekämpfen.