Schwänzende Berufsschüler: Vock will Bussen verbieten lassen

Artikel in der Aargauer Zeitung

Florian Vock hat im Grossen Rat eine Motion für ein Verbot von Bussen für Berufsschüler eingereicht. Walter Weber, selber Berufsschullehrer, fordert dasselbe in einer Petition an Bildungsdirektor Alex Hürzeler.

Nicht nur die Standorte und die Zuteilung der Ausbildungsgänge sind bei den Berufsschulen im Aargau umstritten. Auch die Frage, ob es sinnvoll ist, die Berufsschüler für Zuspätkommen, unentschuldigte Absenzen, oder Schwänzen zu büssen, gibt viel zu reden.

Eine az-Recherche zeigte im April, dass die Aargauer Berufsschulen im letzten Jahr rund 330'000 Franken an Bussen einzogen. Dies bewegte SP-Grossrat Florian Vock dazu, eine Motion einzureichen, um Bussen für Berufsschüler gesetzlich zu verbieten. Vock kritisiert die bisherige Praxis als ungerecht und nicht wirksam.

Einerseits würden die Bussen wohlhabende Schüler kaum treffen, weniger vermögende hingegen stark. Andererseits sei es eine pädagogische Kapitulation, mit Bussen zu operieren – vielmehr müsse es gelingen, den Schülern «die Notwendigkeit des regelmässigen Schulbesuchs zu vermitteln».

Petition eines Berufsschullehrers

Ähnlich wie Vock steht der langjährige Berufsschullehrer Walter Weber aus Brittnau zu Bussen. Diese hätten grundsätzlich nichts verloren in der Bildung, schreibt er in einer Petition an Regierungsrat Alex Hürzeler. «Sie sind destruktiv und vergiften das Lern- und Arbeitsklima», hält Walter Weber fest.

Für ihn ist klar: «Schulen, die Bussen gegen Schüler in diesem Ausmass verhängen, machen einfach ihren Job nicht richtig.» Weber bittet den Bildungsdirektor, dafür zu sorgen, dass Bussen an Aargauer Berufsschulen mit Mass eingesetzt würden. Und er betont: «In meiner langjährigen Tätigkeit als Berufsschullehrer hatte ich nie Anlass einen Schüler oder eine Schülerin zu büssen.»