Neuer Aargauer Gewerkschaftsboss: «Allein ist man schwach»

Der 27-jährige Florian Vock löst den 61-jährigen Kurt Emmenegger ab als «oberster Arbeiter» im Kanton: Der junge Politiker soll den 110-jährigen Gewerkschaftsbund in die Zukunft führen. Er wolle «einiges verändern», liess er schon kurz nach seiner Wahl an der Delegiertenversammlung verlauten. Im Gespräch mit Radio SRF vertieft Vock diese Aussage.

Die Gewerkschaften und mit ihnen auch deren Dachorganisation müssten sich immer wieder neu aufstellen und neue Herausforderungen erkennen. In der Wirtschaft gebe es eine Tendenz, das unternehmerische Risiko immer mehr auf den Einzelnen abzuschieben. Hier müsse man Gegensteuer geben.

Wachstum bei den Dienstleistungen

Noch um 1980 hatte der AGB nach eigenen Angaben rund 30'000 Mitglieder, inzwischen ist die Zahl um einen Drittel auf 20'000 Mitglieder geschrumpft. Arbeiter in Fabriken und auf dem Bau wählen SVP, die Gewerkschaften und ihre Anliegen verlieren an Attraktivität.

Im Gespräch mit Maurice Velati (SRF)

Im Gespräch mit Maurice Velati (SRF)

 

Florian Vock verteidigt die Existenberechtigung der Gewerkschaften mit Nachdruck: «Allein ist man schwach. Nur wenn man sich zusammenschliesst, kann man etwas erreichen. Wenn man den Aufstand allein macht, wird man entlassen.»

Der neue Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes weist auch darauf hin, dass die Gewerkschaften in gewissen Branchen wachsen würden. Zum Beispiel im Dienstleistungsbereich, vor allem bei den Pflegeberufen und im Detailhandel.

Politische Stimme der Angestellten

Der AGB ist die Dachorganisation der Branchen-Gewerkschaften im Kanton. Einer der Dachverbände: Im November 2016 wurde neben dem AGB noch die Organisation «Arbeit Aargau» gegründet. Verzetteln die Arbeitnehmervertreter ihre Kräfte da nicht unnötig? Dieser Ansicht tritt Vock entgegen mit dem Argument, die beiden Organisationen würden sich ideal ergänzen.

Bei «Arbeit Aargau» seien auch der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband ALV dabei sowie das KV. Er sitze dort in einer Kommission zur Berufsbildung, betont Florian Vock. Und das sei sehr bereichernd.

Ihm gehe es darum, als Präsident des AGB verschiedene Menschen zusammenzubringen. Zum Beispiel den älteren Bauarbeiter und die junge Coiffeuse. «Wir müssen und gemeinsam überlegen, wie wir das Leben gestalten wollen.»

Die Frage der Arbeitslast

Aus solchen Diskussionen könnten dann politische Forderungen entstehen. Vock beobachtet, dass die Arbeitsbelastung in vielen Branchen immer höher wird. Das Resultat sei Überforderung und Leere. Warum diesen Trend nicht brechen, indem man pro Tag nur noch 6 Stunden arbeitet?

Für Vock ist klar: Jemand, der 8,5 Stunden pro Tag arbeitet, ist nicht automatisch produkitver als jemand, der 6 Stunden im Büro sitzt.

Allerdings: Vock selber praktiziert diesen Rhythmus noch nicht. Er arbeite 8,5 Stunden pro Tag, gibt er im Interview mit Radio SRF zu. Allerdings fällt es schwer, ihm zu glauben: Denn er hat so viele Ämter, Interessen und Verpflichtungen, dass eine Normarbeitszeit wohl nicht reicht, um sie alle richtig erfüllen zu können.