Lohnerhöhung von 1%? Das Minimum!

Artikel in der Aargauer Zeitung (zum ganzen Artikel)

Der Gewerbeverband will die Personalkosten beim Kanton um drei Prozent senken, und die Schuldentilgung nicht aussetzen. Die Gewerkschaften halten dagegen.

Naturgemäss eine ganz andere Sichtweise haben die Gewerkschaften. Florian Vock, Präsident des Aargauischen Gewerkschaftsbundes (AGB) sagt, die von der Regierung beantragte Lohnerhöhung um ein Prozent sei «das Minimum».

Einerseits, weil der Kanton ein Leistungslohnsystem anwendet, andererseits, weil Mutationsgewinne von der gesamten kantonalen Lohnsumme abgezogen werden. Mutationsgewinn bedeutet: Wenn ältere Mitarbeiter pensioniert und dafür jüngere eingestellt werden, sinken die Personalkosten für diese Stelle.

Vock: «Wir begrüssen es, dass der Regierungsrat die Mutationseffekte nicht mehr budgetieren will, um den nötigen Spielraum innerhalb der Lohnsumme zu erhalten und damit individuelle Lohnerhöhungen machen kann.» Nach vergangenen Nullrunden, die wegen der Teuerung faktische Lohnsenkungen seien, sei der Aargau als Arbeitgeber insbesondere bei Lehrpersonen nicht mehr besonders attraktiv: «Das wird mittelfristig zu einem grossen Problem bei Stellenbesetzungen.»

Der AGB-Präsident kündigt an: Wenn Massnahmen die Anstellungsbedingungen von Kantonsangestellten «noch mehr verschlechtern – seien es Gefängniswärter, Pflegefachmänner, Lehrerinnen oder Verwaltungsmitarbeitende – werden wir sie vehement bekämpfen».

Vock ist nicht pauschal gegen eine Steuererhöhung für Aargauer. Allerdings fordert er wie die SP, «dass erstens die Steuergeschenke via Unternehmensgewinne rückgängig gemacht werden und zweitens die sehr Reichen über die Vermögenssteuer ebenfalls einen Beitrag leisten». Anders als der Gewerbeverband unterstützt der AGB das befristete Aussetzen der Schuldentilgung.

Es sei «sinnlos und gefährlich, auf Kosten von Zukunftschancen die Schulden abzubauen», so Vock. Die aktuellen Schulden seien für den Aargau kein finanzpolitisches Problem; auch nicht im schweizweiten Vergleich. Vock: «Den Schulden steht schliesslich auch kantonales Vermögen gegenüber. Ein Abbau ist nicht nötig.»