Stipendiengesetz: rechter Blödsinn!

„Ich bedaure ausserordentlich, dass hier eine Mehrheit, die das Studium ihrer Kinder bezahlen kann, dafür sorgt, dass andere das nicht mehr können.“ Das sagte eine FDP-Grossrätin. Trotzdem hat der Grosse Rat eine Verschlechterung der Stipendien im Kanton Aargau durchgedrückt. Dank den linken Parteien kommt es jetzt noch zu einer Volksabstimmung. Die wichtigsten Antworten auf alle Fragen.

Was ist das Stipendiengesetz?

Das Stipendiengesetz bestimmt, wer wie viel Stipendien bekommt: Also eine finanzielle Unterstützung, um zu studieren. Das betrifft alle, die an einer Uni, der ETH, einer Fachhochschule, der pädagogischen Hochschule oder der höheren Fachschule studieren. Angehende Sozialwissenschafterinnen genauso wie alle, die in der Pflege im Altersheim arbeiten werden.

Worüber stimmen wir ab?

Über zwei Verschlechterungen:

  1. Der maximale Höchstbetrag wird von 17'000 auf 16'000 Franken pro Jahr gesenkt. Das sind noch maximal 1'333 Fr. pro Monat. Davon leben kann sowieso niemand.
  2. Noch schlimmer ist aber, dass von diesen 16'000 Franken nur noch Zweidrittel als Stipendien, also wie Lohn, ausbezahlt werden. Ein Drittel kommen nur noch als Darlehen: Darlehen müssen dem Kanton zurückbezahlt werden.
 
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Die Folge?

Die unmittelbaren Folgen sind klar: Wer es sich heute nicht leisten kann, zu studieren, muss sich verschulden. Es trifft jene, die einen hohen Beitrag brauchen, weil sie eben kein reichen Eltern haben. Konkret sind es 1'200 junge Erwachsene im Aargau.

Warum arbeiten die Studis nicht einfach mehr?

Bereits heute arbeiten 75% aller Studis. Etwas mehr als die Hälfte der Studierenden machen das bis zu zwei Tage in der Woche und fast alle arbeiten während den Semesterferien genauso wie während der Vorlesungszeit. Mehr arbeiten ist also gar nicht so leicht.

Welche Studis trifft es genau?

Benachteiligt werden alle, die nicht von zuhause aus viel Geld haben. Das sind Studis mit Eltern, die selbst nicht studiert haben und dabei besonders Kinder von Migrantinnen und Migranten. Für sie stellt sich neu die Frage: Verschulde ich mich oder arbeite ich mehr? Oder soll ich überhaupt studieren?!

 
 Je tiefer die Ausbildung der Eltern, desto grösser die Schwierigkeit, sich das Studium zu finanzieren. Wenn wir Stipendien kürzen, treffen wir die Kinder niedrig qualifizierter Eltern. Ein Teufelskreis, insbesondere für Migrant_innen.

Je tiefer die Ausbildung der Eltern, desto grösser die Schwierigkeit, sich das Studium zu finanzieren. Wenn wir Stipendien kürzen, treffen wir die Kinder niedrig qualifizierter Eltern. Ein Teufelskreis, insbesondere für Migrant_innen.

 

Ist das problematisch?

Ja, erstens ist es ungerecht. Nur weil jemand arm ist, sollte er oder sie nicht länger studieren müssen, weniger Zeit für die Vorbereitung haben oder sich verschulden müssen. Das ist nicht der Sinn an Bildung.

Noch dümmer ist es aber, weil das unmittelbare Folgen für den behaupteten Spareffekt hat: 3 Millionen Franken pro Jahr gibt der Kanton Aargau weniger aus. Das ist schon ziemlich wenig. Doch alleine die Einführung des Darlehenssystem kostet 1.5 Millionen Franken: Und schon ist der Spareffekt halbiert.

Naja, immerhin noch 1.5 Millionen sparen?

Wohl kaum. Denn wer mehr neben dem Studium arbeiten muss, der muss auch länger studieren. Anders geht es einfach nicht! Und wer länger studiert, der kostet auch länger. Und das muss der Aargau wieder finanzieren, denn für jeden Studi aus dem Aargau bezahlen wir den Universitäten einen Beitrag. Eine sinnlose, asoziale Übung!

Das Fazit?

Nix gespart, aber viel abgebaut. Vorallem die Chancengleichheit. Der Aargau wird zum schlechtesten Kanton in der ganzen Schweiz, wenn es um Stipendien geht. Deshalb: Finger ab de Rösti und nein zum neuen Stipendiengesetz am 4. März.